Macau: Casino-Hauptstadt der Welt | DW Anomalia

Macau: Casino-Hauptstadt der Welt | DW Anomalia


Das ist nicht Paris. Auch nicht Venedig. Oder Las Vegas. Das hier ist Macau. Die Kasino-Hauptstadt der Welt. Und der zweitreichste Ort der Erde. Aber dieser Wohlstand kostet. Viele kritisieren dass die Regierung das Geld
nutzt, um die Einwohner ruhig zu stellen. Die Sonderadministrationszone Macau is im
Süden Chinas, eine Stunde mit der Fähre von Hong Kong entfernt
Die Stadt hat ca. 600.000 Einwohner. Es ist mein zweites Mal hier – und ich bin
definitiv nicht die einzige Besucherin. Über 35 Millionen Touristen kamen 2018, überwiegend
Festlandchinesen. Es ist schön hier, keine Frage. Aber die meisten sind aus einem Grund hier:
Casinos. Auf dem chinesischen Festland ist Glücksspiel
illegal. Aber nicht in Macau. Deshalb ist die Stadt:
Absoluter Wahnsinn. Es ist wie Disneyland und Vegas zusammen. Mal zehn. Aber wie kam es dazu? Dafür muss man ziemlich weit zurück schauen… Macau war ab dem 16ten Jahrhundert unter portugiesischer
Kontrolle. Eine Hafenstadt, die oft im Schatten seiner
größeren Schwester – und britischen Kolonie – Hong Kong stand. Die Kolonialzeit erklärt den europäischen
Touch. Macau wurde erst 1999 an China zurück gegeben. Aber es blieb eine Sonderverwaltungszone – mit
eigenen Gesetzen, Grenzen und Währung. 1999 war Macau noch nicht so reich. Aber 2002 öffnete China den Glücksspielmarkt
für internationale Investoren. Das befeuerte die Wirtschaft – und machte
Macau pro Kopf zum zweitreichsten Ort der Welt, vor Luxemburg, nach Katar. Natürlich vermissen wir manchmal das alte
Macau. Aber gleichzeitig freuen wir uns über die
Entwicklung der Stadt. Buddy Lam möchte weniger über das Casino
seines Arbeitgebers sprechen. Auf der einen Seite hat sich die Glücksspielindustrie
verändert und ist viel größer geworden. Aber auf der anderen Seite hat sie sich auch
verändert und bietet mehr Vielfalt. Galaxy Entertainment Group, einer der größten
Casino- und Resort-Betreiber in Macau, will lieber seine anderen Vorzüge zur Schau stellen. Fast 4000 Zimmer, in sechs Hotels, 120 Restaurants
und Bars, ein Einkaufszentrum, ein Kino – eigentlich eine eigene Stadt. Aber: fast 90 Prozent der Einnahmen kommen
von dem einzigen, was ich nicht filmen kann: Direkt neben mir, genau da ist eigentlich
das Casino, um das es hier die ganze Zeit geht. Aber drinnen darf ich nicht filmen. Ich darf nicht mal da draußen den Schriftzug
Casino abfilmen. Hab ich schon gefragt. Ich bin einfach in ein anderes gegangen. Ohne Kamera. Und ich bin zurück. Das war so groß da drin das Casino, da hätte
man sich ganz leicht verirren können. Und ich glaube das ist auch Sinn und Zweck
daran. Und die Menge an Chips die am Pokertisch lagen..
ich hab zwar nicht selbst gespielt, aber Respekt. Die Steuerabgaben der Glücksspielindustrie
machen fast 90 Prozent von Macaus Haushalt aus. Und die kommen auch den Bewohnern zu Gute. Dank der Casino-Jobs sind nur ca zwei Prozent
arbeitslos. Jeder Bewohner bekommt pauschal jedes Jahr
rund 1200 Euro von der Regierung – Plus subventionierte medizinische Versorgung und kostenlose öffentliche
Schulen. Aber abhängig sein vom Glücksspielgeld – das
hat seine negativen Seiten. Leider sind wir abhängiger von China geworden
als je zuvor. Ein Großteil, wir schätzen vielleicht 70-80
Prozent der Glücksspiel-Einnahmen kommen aus China. Nicht nur das, das Glücksspiel ist zum A
und O unserer Wirtschaft geworden. Und dadurch hat es alle Ressourcen und Arbeitskräfte
an sich gerissen. Macau will sich breiter aufstellen – bisher
mit wenig Erfolg. Der Rückgang im BIP in den letzten Jahren
erklärt sich teilweise, weil China korrupten Beamten und Unternehmern den Kampf angesagt
hat – viele davon waren VIPs in Macaus Casinos. Und es ist nicht nur die wirtschaftliche Abhängigkeit,
die manchen Bewohnern Sorgen bereitet. Ja, es ist gut für uns, mehr Geld zu verdienen
und sichere Jobs zu haben. Aber das reicht nicht für eine progressive
Gesellschaft. Sulu Sou ist das jüngste Mitglied im Parlament. Viele Menschen hier ignorieren die Politik. Die Medien und das Bildungssystem sagen allen
Bewohnern: Redet mehr über Wirtschaft, weniger über Politik. Die Regierung – und damit China – kontrolliert
einen Großteil der Medien. Sich gegen das System aufzulehnen, hat Konsequenzen. Sulu Sou wurde vom Parlament suspendiert und
verurteilt, weil er gegen eine regierungsnahe Organisation protestiert hat. Nach einem halben Jahr hat er es zurück geschafft. Er bleibt einer der wenigen Kritiker der Regierung. Die Einwohner dieser Stadt profitieren im
Großen und Ganzen von diesem System – so lange sie ruhig bleiben. Und das vor allem in Zeiten wo China näher
und näher rückt.